Richrd Bampi, "Tierseele"
Das expressive Ölgemälde "Tierseele" hat Richard Bampi im Spätsommer 1919 während seines Architekturstudiums in Weimar gemalt und ist nun im November das Kunstwerk des Monats im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Oldenburg.
Drei hintereinander gestaffelte Tiere befinden sich im Bildzentrum. Die blau – violett schimmernden Wesen verdecken sich durch ihre überlappende Anordnung gegenseitig. Das Tier im Vordergrund wendet den Kopf über die rechts Schulter zum Betrachter, wohingegen das mittlere den Kopf zur rechten Seite wendet und vom vorderen zum Großteil verdeckt wird. Das dritte Geschöpf hat seinen Kopf zur linken Seite gedreht und zeigt in der Profilhaltung zwei hörnerartige Erhebungen.
Durch die Überlagerung und Anordnung scheinen die Tiere auseinander zu wachsen. Im Dickicht des Hintergrunds wiederholt sich die geschwungene Linienführung der Tierkomposition und metaphorisiert so durch diese Rhythmisierung eine Einheit von Tier und Natur.
Vom linken oberen Bildrand scheint ein gelblich leuchtendes Licht aus einer imaginären Lichtquelle, welche die Tiere mardorlaförmig umstrahlt. Das Gelb im Kontrast zu den bläulichen Tieren und dem blau-grünen Hintergrund bildet eine prismatische Farbabstufung, die in den Kunststilen des Orphismus, Futurismus und Kubismus verwendet wird. Die Vegetation umfängt die Tiere höhlenartig und wirkt wie ein Schutzwall. Die Wesen scheinen in sich zu ruhen ohne den Betrachter wahrzunehmen.
Dynamik wird in der Komposition durch eine bewegte Linienführung sowie leuchtende Farben forciert. Zugleich erreicht Richard Bampi einen Ausgleich der Bewegung durch die ruhige Bildkomposition der drei bewegungslos verharrenden Tiere.
Durch eine Verwundung bei Verdun im ersten Weltkrieg begann Bampi 1916-17 im Lazarett und später im Sanatorium sich künstlerisch mit unterschiedlichen Medien zu beschäftigen. Die Kunst wurde für Richard Bampi in dieser Zeit zu einem Reflektionsmittel für seine Erlebnisse im Krieg. So kehren Themen wie der gepeinigte Mensch, der mit dem Tod konfrontiert wird, in seinem grafischen Schaffen wieder.
Für seine künstlerischen Studien versuchte Bampi zunächst durch Nachahmung von Kunststilen seine eigenen Ideen umzusetzen und einen eigenen Stil zu entwickeln. Für seine plastischen Arbeiten sind Vorbilder wie Ernst Barlach (1870-1938) und Auguste Rodin (1840-1917) zu nennen. Die graphischen Vorbilder sind stilistisch beim Blauen Reiter zu sehen wobei Franz Marc (1880-1916) ihn am nachhaltigsten beeindruckte. Franz Marcs "Turm der blauen Pferde" zeigt ebenso wie die "Tierseele" eine expressive Staffelung von sich gegenseitig überlagernden Tieren.
Die Einbettung des Tieres in die Natur bedeutete für Franz Marc Friede und Harmonie: Tugenden die er vor dem ersten Weltkrieg nur bei den Tieren für möglich hielt und später revidierte. Die Sehnsucht nach dem Paradies, in dem Friede und Eintracht herrschen, wird bei der "Tierseele" wie auch bei Marks Tierbildern augenfällig.
Der Eindruck der Geschlossenheit der Komposition wird durch den ins Bildinnere gewandte Blick der Tiere unterstützt. Die Vielfalt der Ansichten der Wesen bestärkt ihre Einheit durch die hervorgerufene Distanzierung vom Betrachter. Somit wirken sie wie ein höheres, unberührbares, harmonisches Wesen.
Niedersachsen Portal