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Max Herrmann
Max Herrmann, "Ille", 1929, Inv.-Nr. LMO 28.529
 
Kunstwerk des Monats
Kunstwerk des Monats Februar

Unlängst ist im Kunsthandel ein Frühwerk des Malers Max Herrmann aufgetaucht. Als Leihgabe ist es nun im Prinzenpalais des Oldenburger Landesmuseums zu sehen. Für die Kunstgeschichte der Klassischen Moderne im Oldenburger Land ist die Entdeckung dieses Bildes eine Sensation. War das Frühwerk von Max Herrmann bislang doch nur durch fotografische Aufnahmen dokumentiert. Ohne Zweifel zeigt sich in diesem Frühwerk ein herausragendes Talent und es macht deutlich, dass der 1999 gestorbene Künstler einer der wichtigsten Maler in unserer Region gewesen ist.

1908 in Halle an der Saale geboren, kam Max Herrmann 1933 ins Oldenburger Land, nachdem er ein Studium bei Otto Dix in Dresden und Max Beckmann in Frankfurt am Main absolviert hatte. Sein Atelier hatte er in Oldenburg, unweit des Hauptbahnhofes, und so ging durch einen Bombentreffer im II. Weltkrieg fast sein gesamtes Frühwerk zu Grunde, darunter zahlreiche Zeichnungen mit Korrekturen von Max Beckmann. In den 1950er Jahren war er einer der wichtigsten abstrakten und später informell arbeitenden Maler im Nordwesten. Das zweiseitig bemalte Bild aus dem Jahr 1929 ist ein wichtiges Dokument für den Einfluss, den seine großen Lehrer Dix und Beckmann auf seine künstlerische Entwicklung genommen haben. Dargestellt ist eine junge Frau, die sich als seine damalige Freundin Ilse Kahn, genannt Ille, identifizieren lässt. Die Rückseite zeigt Masken und steht den Gestaltungen von Otto Dix nahe. Der künstlerische Zwiespalt, in dem sich Max Herrmann Ende der 20er Jahre befand, wird in diesem Bild greifbar. Augenscheinlich wurde die Rückseite verworfen und die Vorderseite mit dem Porträt von Ille für ihn maßgeblich. Häufig erzählte er vom Studium bei Dix, der mit seinen Studenten die Dresdener Galerie besuchte und sie an den Meisterwerken der Altdeutschen Malerei eines Albrecht Dürer, Lucas Cranach und Hans Baldung schulte. Die Rückseite mit den Masken, die Max Herrmann in seinem Dresdener Atelier schuf, erinnert an vergleichbare Arbeiten von Otto Dix. Sie ist aber freier und expressionistischer angelegt. Das Porträt der damaligen Freundin und Lebensgefährtin Ille steht dagegen den Bildnissen von Max Beckmann erstaunlich nahe. Das Porträt im Originalrahmen führt den Betrachter in die Zeit der späten 20er Jahre, kurz vor Beginn der Weltwirtschaftskrise, die als die Goldenen 20er Jahre in die Geschichte eingegangen sind. Besonders spannend wird das Gemälde, wenn man es in den persönlichen zeithistorischen Kontext von Max Herrmann und seiner Freundin Ilse, genannt Ille, setzt. Im Nachlass des Künstlers haben sich zahlreiche Fotografien und Briefe erhalten. Es sind Dokumente einer innigen, nicht unproblematischen Liebe, aber auch Zeitdokumente der literarischen Kultur der 20er Jahre. Ilse Kahn war Kunstgewerblerin und sie stand der Reformbewegung nahe. Sie hatte das Ziel, eine Galerie zu eröffnen und das Werk ihres Lebensgefährten Max Herrmann zu vertreten. Es mag sein, dass diese Ziele, mit der Absicht eine Familie zu gründen, für Max Herrmann als Einengung von Individualität und Freiheit empfunden wurden, was das Verhältnis der Beiden belastete und schließlich zum Bruch der Beziehung führen sollte.

 

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